Fragst du dich manchmal, wie du schmerzhafte Beziehungsmuster durchbrechen kannst, um wieder mehr Leichtigkeit zu spüren?
„Immer wieder lerne ich Männer oder Frauen kennen, die mir dasselbe antun.“
„Schon wieder entwickelt sich meine Beziehung in genau dieselbe Richtung.“
„Wieso lande ich immer wieder am selben Punkt?“
Kennst du das Gefühl, dich im Kreis zu drehen? Du nimmst dir fest vor, dass beim nächsten Mal alles anders wird. Doch nach einigen Wochen oder Monaten stehst du wieder vor den Trümmern derselben Dynamik.
Dass wir immer wieder dieselben schmerzhaften Erfahrungen machen, liegt daran, dass wir – meist völlig unbewusst – immer wieder aus denselben inneren Mustern heraus handeln. Albert Einstein formulierte es treffend: „Die Definition von Wahnsinn ist, immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten.“
Doch wie kommen wir aus diesem Teufelskreis heraus? Wie lässt sich Verhalten nachhaltig verändern?
Verändere nicht das Verhalten – verändere die innere Haltung
Der Hirnforscher Gerald Hüther betont, dass all unserem Handeln ein übergeordnetes Steuerungsmuster zugrunde liegt: unsere innere Haltung.
Das gesamte Verhalten eines Menschen wird durch die im Laufe des Lebens erworbenen Haltungen bestimmt. Im Alltag sprechen wir von tiefen, inneren Überzeugungen. Sie sind uns selten bewusst, aber sie wirken wie eine unsichtbare Linse, durch die wir die Welt betrachten. Sie bestimmen maßgeblich:
-
was wir wie wahrnehmen und interpretieren,
-
wie wir emotionale Reize bewerten,
-
worauf wir wie reagieren oder eben nicht reagieren.
Verhaltensänderung durch bloße Willenskraft scheitert meistens, weil sie nur an der Oberfläche ansetzt. Wenn wir alte Beziehungsmuster durchbrechen wollen, müssen wir an unserer inneren Einstellung und Haltung ansetzen.
Jede echte Transformation beginnt mit der Bewusstwerdung: Was prägt meine innere Haltung? Und welche Auswirkungen hat sie auf mein Leben, meine Partnerwahl und meine Beziehungen?
Aus der therapeutischen Praxis haben sich 5 mentale Bereiche als essenziell erwiesen:
- Teil 1: Das Selbstbild & die Beziehung zu sich selbst
- Teil 2: Unbewusste Beziehungsmuster Warum wir immer an die gleichen Partner geraten
- Teil 3: Emotionale Glaubenssätze Wie alte Botschaften deine Beziehungen & Intimität steuern
- Teil 4: Körperbewusstsein & Nervensystem Wie du körperliche Stressreaktionen entschlüsselst
- Teil 5: Zukunftsszenarien & Visionen Unbewusste Zukunftsangst & wie sie deine Beziehungsrealität prägt
In dieser Artikelserie schauen wir uns diese Dimensionen Schritt für Schritt an. Hier ist der 1. Bereich: Dein Selbstbild und wie die Beziehung zu dir selbst deine Haltung bestimmt.
1. Beziehungsmuster durchbrechen: Das Selbstbild als verdeckter Regisseur
Das Selbstbild ist die innere Vorstellung, die du von deiner eigenen Persönlichkeit, deinen Fähigkeiten, deinen Gefühlen und deinem Wert hast. Es ist im Laufe deiner Biografie entstanden. Es ist beständig, aber, und das ist die gute Nachricht, wandelbar.
Die zentrale Frage lautet also: Welches Selbstbild hast du von dir und wie ist die Beziehung zu dir selbst?
Die Selbstbeziehung ist das Fundament, auf dem jede äußere Beziehung aufgebaut ist. Sie bestimmt maßgeblich, wie du anderen begegnest und was du bereit bist, dir von anderen gefallen zu lassen.
Die Sehnsucht nach Bestätigung (auch des negativen Selbstbildes)
Psychologisch gesehen strebt unser Gehirn nach Vorhersehbarkeit. Wenn du tief in dir ein negatives Bild von dir trägst (z. B. „Ich bin nicht liebenswert“ oder „Am Ende werde ich doch verlassen“), wird dein Suchsystem im Alltag unbewusst genau nach Bestätigung für dieses Bild Ausschau halten.
Wir lassen unbewusst eher Menschen in unser Leben, die unser negatives Selbstbild spiegeln und bestätigen. So schmerzhaft das ist: Das Bekannte, selbst wenn es wehtut, vermittelt unserem Nervensystem eine trügerische Sicherheit, während das Unbekannte (echte Wertschätzung) Unruhe auslösen kann.
Die Dynamik der selbsterfüllenden Prophezeiung
Trägt eine Frau beispielsweise die tiefe innere Überzeugung in sich, nicht liebenswert zu sein und immer verlassen zu werden, entsteht ein schmerzhafter Mechanismus:
Der Teufelskreis hat sich geschlossen. Nicht weil der Partner von Anfang an gehen wollte, sondern weil die eigene innere Haltung eine Realität erschaffen hat, die das alte Selbstbild am Ende wieder bestätigt.
Woher kommt dieses Selbstbild? Bindungsstrategien aus der Kindheit
Um das eigene Selbstbild zu verstehen, lohnt sich ein Blick auf die Motive hinter unseren Handlungen: Welche Bindungsstrategien hast du als Kind entwickelt?
Ein Kind ist existenziell auf die Liebe, Sicherheit und Zuwendung seiner Bezugspersonen angewiesen. Fehlt diese Sicherheit oder ist sie an Bedingungen geknüpft, entwickelt das Kind Überlebensstrategien, wie zum Beispiel Einschmeicheln (immer brav sein), Bemühen (leistungsorientiert sein), Wüten (rebellieren) oder Sorgen machen/umsorgen.
Das kann im Erwachsenenalter so aussehen:
-
Der Weg über das Einschmeicheln und Bemühen: Bekam das Kind Liebe und Aufmerksamkeit vor allem dann, wenn es brav war, funktionierte oder Leistung erbrachte? Als Erwachsener entsteht oft ein leistungsorientiertes Selbstbild: „Ich bin nur etwas wert, wenn ich brav bin, mich aufopfere und Leistung erbringe.“
-
Der Weg über die Rebellion / Dramatisierung: Erhielt das Kind nur dann Aufmerksamkeit, wenn es laut war, aufbegehrte oder Symptome zeigte? Als Erwachsener wird dieser Mensch unbewusst Streit suchen, Situationen dramatisieren oder immer wieder Symptome erzeugen und verstärken, weil Drama für das Nervensystem die einzige vertraute Form von intensiver Verbindung darstellt.
Und noch einmal: Das passiert fast immer völlig unbewusst! Deshalb ist es so aufschlussreich, das eigene Verhalten in Krisen achtsam zu hinterfragen:
-
Woher kenne ich dieses Gefühl?
-
Was versuche ich durch mein gewohntes Verhalten eigentlich zu schützen oder zu erreichen?
-
Wie sehe ich mich selbst? Was denke ich wirklich über mich?
Zum Abschluss eine Geschichte zum schmunzeln: Die Geschichte vom Hammer (nach Paul Watzlawick)
Wie maßgeblich unsere innere Haltung, unsere Vorannahmen und unser Selbstbild die Realität gestalten, bevor überhaupt etwas passiert ist, bringt der Kommunikationswissenschaftler Paul Watzlawick in seinem Buch „Anleitung zum Unglücklichsein“ (1983) treffend und mit einem Schmunzeln auf den Punkt:
Ein Mann will ein Bild aufhängen. Den Nagel hat er, nicht aber den Hammer. Der Nachbar hat einen. Also beschließt unser Mann, hinüberzugehen und ihn sich auszuborgen. Doch da kommt ihm ein Zweifel:
Was, wenn der Nachbar mir den Hammer nicht leihen will? Gestern schon grüßte er mich nur so flüchtig. Vielleicht war er in Eile. Aber vielleicht war die Eile nur vorgetäuscht und er hat etwas gegen mich. Und was? Ich habe ihm nichts angetan; der bildet sich da etwas ein. Wenn jemand von mir ein Werkzeug borgen wollte, ich gäbe es ihm sofort. Und warum er nicht? Wie kann man einem Mitmenschen einen so einfachen Gefallen abschlagen? Leute wie dieser Kerl vergiften einem das Leben. Und dann bildet er sich noch ein, ich sei auf ihn angewiesen. Bloß weil er einen Hammer hat. Jetzt reicht’s mir wirklich.
Und so stürmt er hinüber, läutet, der Nachbar öffnet, doch bevor er „Guten Tag“ sagen kann, schreit ihn der Mann an:
„Behalten Sie Ihren Hammer, Sie Rüpel!“
Wieder in seiner Wohnung, sitzt er da mit seinem Bild in der Hand , enttäuscht und verzweifelt über seine Mitmenschen. Und er beschließt ganz fest: „Nie wieder spreche ich einen an!“
Fazit & Ausblick
Die Geschichte zeigt eindrücklich: Wir sitzen oft in unserer eigenen Wohnung, schimpfen über die Welt oder unsere Partner und merken gar nicht, dass wir das Drehbuch für das Drama in unserem eigenen Kopf geschrieben haben.
Dein Selbstbild bestimmt, welche Geschichten du dir über dich und andere erzählst. Erst wenn du dieses Drehbuch erkennst, kannst du nachhaltig deine Beziehungsmuster durchbrechen.
Möchtest du deine eigenen Beziehungsmuster im geschützten Rahmen erkunden und dein Selbstbild stärken? Informiere dich gerne über meine Angebote für Einzeltherapie, Paartherapie und Beziehungsberatung in Lichtenstein und vereinbare ein Erstgespräch.
Im 2. Teil der Serie gehen wir noch einen Schritt tiefer in den Bereich der unbewussten Beziehungsmuster: Du erfährst, warum wir uns so oft wie magisch von Menschen angezogen fühlen, die alte emotionale Wunden auf unserer „inneren Festplatte“ wieder aufreißen, und wie du dich aus diesen schmerzhaften Rekonstellationsdynamiken befreist.
Ein Mann will ein Bild aufhängen. Den Nagel hat er, nicht aber den Hammer. Der Nachbar hat einen. Also beschließt unser Mann, hinüberzugehen und ihn sich auszuborgen. Doch da kommt ihm ein Zweifel: