Gefühle zulassen lernen: Die Suche nach dem Warum (und wann sie dich im Schmerz gefangen hält)

Wenn du erfahren möchtest, wie du wieder echte Gefühle zulassen lernen kannst, statt dich im Gedankenkarussell zu verlieren, wirst du diese Fragen kennen: Warum bin ich so? Warum ist das so? Warum hat sie mich verlassen? Warum hat er das getan?

Ich ertappe mich selbst immer wieder dabei, nach dem Warum zu grübeln. Doch was bringt es uns überhaupt? Ändern können wir es rückwirkend eh nicht mehr.

Oftmals liegen die Gründe weit in der Kindheit zurück. Ja, es macht manchmal Sinn zu wissen, woher etwas kommt. Aber für wen oder was macht es eigentlich Sinn? Wohl eher für den Verstand. Der Verstand will verstehen, analysieren, Zusammenhänge finden. Und manchmal ist das auch unglaublich hilfreich.

Doch es ändert sich so oft nichts dadurch, außer dass es uns im ständigen Grübeln hält und nicht unbedingt zur echten Lösung führt. Doch was ist die Lösung, wenn das WARUM so groß ist?

Die Angst vor der Ohnmacht: Warum wir lieber grübeln als fühlen

Was durch dieses Grübeln auch passiert: Es hält uns an dem Thema fest. Es hindert uns daran, weiterzugehen. Und vor allem hindert es uns am Fühlen, daran, den tiefen Schmerz zu spüren, aber besonders auch die Unsicherheit und den Kontrollverlust.

Denn wenn wir das Warum nicht verstehen, können wir es auch nicht kontrollieren. Und das macht uns hilflos, orientierungslos und ohnmächtig. Ein Gefühl, das nur schwer zu ertragen ist, besonders für jemanden, der doch sonst alles unter Kontrolle hält!

Doch eigentlich hält uns das Grübeln genau dadurch vom Fühlen ab und damit von der Lösung oder Heilung.

Was fühle ich gerade? Unsicherheit? Hilflosigkeit? Ohnmacht? 

Wohlgemerkt sind das keine Gefühle, sondern Etiketten…eher spürt man einen Druck im Bauch oder Brust, Wärme im Kopf oder Enge im Hals oder Angst im Körper.

Und schon allein dadurch, dass diese Empfindungen überhaupt wahrgenommen werden und da sein dürfen, entsteht eine Entspannung. Also schon allein dadurch, dass wir aufhören, nach dem großen Warum zu suchen, beginnt der erste Schritt des Annehmens.

Ist die Warum-Frage deshalb schlecht?

Nein. In der Physiotherapie und in meiner Praxis InKontakt stelle ich selbst oft die Frage nach dem Warum. Sie hat mich angetrieben, immer weiter zu suchen – nach den tieferen Zusammenhängen und nach der Wurzel eines Geschehens.Gefühle zulassen lernen – Praxis InKontakt Behandlungsraum Lichtenstein

„Warum habe ich immer wieder Rückenschmerzen?“

Diese Frage kann uns in eine sehr wertvolle Selbstreflexion bringen: Was belastet mich? Wie gehe ich mit meinem Körper um? Wie sieht mein Alltag aus? Gibt es emotionale Muster, die sich immer wiederholen?

Unser Körper zeigt oft chronische Zeichen und Schmerzen als Signale der Seele. Er kann uns auf etwas aufmerksam machen, das wir im Alltag übergehen. Dafür ist die Warum-Frage extrem hilfreich.

 

Die drei Arten von „Warum“ – Eine Unterscheidung

Um aus dem Grübelkarussell auszusteigen, müssen wir differenzieren:

  1. Das reflektierende Warum („Warum glaube ich, so viel leisten zu müssen?“)

    Hier öffnet die Frage eine Tür. Eine mögliche Antwort kann sein: Weil ich als Kind geglaubt habe, mir Liebe verdienen zu müssen. Diese Erkenntnis ist wertvoll! Aber ist der Druck dadurch weg? Meist nein. Doch durch das Erkennen kann sich deine Haltung verändern, weg von der schnellen Schmerztablette hin zu echter Veränderung.

  2. Das Fühlen hinter der Unsicherheit („Warum bin ich immer wieder unsicher?“)

    Auch hier finden wir Hinweise in der Vergangenheit. Aber wirst du dadurch sofort sicherer? Wahrscheinlich nicht. Verändern kann es sich erst, wenn du es annehmen kannst. Wäre es nicht viel hilfreicher zu sagen: „Ja, ich bin unsicher“ und genau dieses Gefühl zu ergründen? Welche Angst oder Scham verbirgt sich dahinter?

  3. Das fremdbestimmte Warum („Warum hat er/sie mich verlassen?“)

    Gefühle zulassen lernen und Grübeln stoppen – Praxis InKontakt

    Das ist eine der ungesündesten Warum-Fragen. Du wirst niemals vollständig verstehen, warum ein anderer Mensch so handelt, wie er handelt. Dieses Warum nimmt dir nicht den Schmerz und gibt dir nicht die Macht zurück. Es hält dich nur im Strudel aus Selbstzweifeln und Ohnmacht gefangen.

 

 

Vom Kopf ins Spüren: Wie du wieder Gefühle zulassen lernen kannst

Was du wieder in die Hand nehmen kannst, ist das Jetzt. Das Annehmen. Nicht als Gutheißen, sondern als Anerkennen deiner aktuellen Realität.

Manchmal müssen wir uns vom großen Warum lösen. Nicht, weil es keine Antworten gibt, sondern weil es dadurch nicht weg ist. Wenn wir akzeptieren, dass wir mit unserer Ratio nicht jeden Seelenplan sofort durchschauen können, entsteht Raum für Heilung. Indem du den Fokus veränderst und wieder Gefühle zulassen lernst, kommst du Schritt für Schritt heraus aus dem Kopf und zurück in den Körper.

Warum Fühlen oft so verdammt schwer ist (und warum du vielleicht erst mal „nichts“ spürst)

Wenn du versuchst, vom Kopf ins Fühlen zu kommen, wirst du schnell merken: Das geht nicht einfach auf Knopfdruck. Und das hat einen guten Grund.

Dein Grübeln ist kein „Fehler“ deines Gehirns, sondern eine hochwirksame Schutzstrategie. Dein Verstand schaltet sich ein, um dich vor Gefühlen zu schützen, die sich irgendwann in deinem Leben einmal zu überwältigend, zu schmerzhaft oder schlicht unsicher angefühlt haben. Das Grübeln ist sozusagen der Bodyguard deiner Psyche. Doch er verhindert eben auch die Lebendigkeit!

Die häufigsten Hürden beim Spüren:

  • Die große Taubheit: Du schließt die Augen, möchtest fühlen, aber da ist einfach nichts. Eine innere Leere. Wichtig zu wissen: Auch Taubheit ist eine Reaktion deines Nervensystems! Es ist der Schutzmodus „Einfrieren“ (Freeze). Bewerte das nicht. Nimm die Leere einfach nur wahr und erforsche sie. Sie wird sich verändern.

  • Die körperliche Entladung: Echte Gefühle zeigen sich nicht in klugen Gedanken, sondern in körperlichen Empfindungen,  Enge in der Brust, Enge im Hals, ein Druck im Bauch, Zittern oder plötzlich aufsteigende Hitze.

  • Der Drang wegzulaufen: Sobald diese Körperempfindungen auftauchen, will der Verstand sofort wieder anspringen und sagen: „Das ist unangenehm, mach das weg, warum ist das so?“ Er fängt an zu interpretieren und holt dich damit wieder weg vom Gefühl.

Die Kunst besteht nicht darin, das Gefühl sofort zu „heilen“ oder zu verstehen. Die Kunst liegt darin, 5 Sekunden länger mit der körperlichen Empfindung im Raum zu bleiben, als dein Verstand es möchte. Genau dort beginnt echte Regulation.

Eine praktische Übung: Vom Kopf in den Körper (It is simple, but not easy)

Lege dich bequem hin, schließe die Augen und spüre in deinen Körper hinein. Und ich meine WIRKLICH spüren! Nicht innerlich kommentieren oder dem ständigen Gedankengequatsche zuzuhören, sondern echt fühlen.

  1. Richte die Aufmerksamkeit nach innen: Wie fühlen sich deine Füße an? Fange ganz kleinteilig an: die Zehen, die Fußsohlen, die Sprunggelenke, die Unterschenkel, die Knie … wandere so langsam nach oben bis zum Kopf.

  2. Finde die Quelle: Spüre, wo im Körper sich gerade ein dominantes Gefühl zeigt. Wo genau sitzt es? Wo ist die Quelle?

  3. Bleibe da: Spüre einfach hinein und bleibe bei dieser Empfindung. Verändert sie sich? Nimm einfach wahr, ohne zu beurteilen.

Das wird am Anfang möglicherweise nur für kurze Momente gelingen. Aber wenn du diese kleine Übung mehrmals täglich wiederholst, wirst du merken, wie es immer besser geht und vielleicht spürst du danach bereits einen ganz anderen, ruhigeren Körperzustand.

Und jetzt zu dir:

Gibt es eine Frage nach dem Warum, an der du dich gerade festhältst? Oder auch festbeißt? Was würde passieren, wenn du sie für einen Moment loslässt und einfach nur spürst, was darunter liegt?

Teile deine Gedanken dazu sehr gerne in den Kommentaren!

Möchtest du das Grübeln loslassen und wieder ins Spüren kommen?

In meiner Praxis IN KONTAKT in Lichtenstein begleite ich dich dabei, wie du wieder deine Gefühle zulassen lernen kannst, um emotionale Blockaden zu lösen und einen echten Zugang zu dir selbst zu finden.

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